20 Jahre UN-Kinderrechtskonvention - Deutsches Kinderhilfswerk e.V.
 


20 Forderungen für Kinder in Deutschland

20. Perspektiven für Straßenkinder schaffen!
Straßenkinder in Deutschland sind eine gesellschaftliche Realität, vor der vielfach die Augen verschlossen werden. Dabei ist die Situation der Straßenkinder in Deutschland nicht zu vergleichen mit der von Straßenkindern in Entwicklungs- und
Transformationsländern. Der Begriff „Straßenkinder“ ist nicht generell definiert. Dementsprechend lassen sich je nach angewandter Defi nition ganz verschiedene Gruppen von Kindern und Jugendlichen zusammenfassen. Das führt dazu, dass die Zahlen über Straßenkinder in Deutschland sehr stark variieren, die Angaben schwanken zwischen 1.500 und 9.000. Vage sind auch die Zahlen hinsichtlich des Geschlechterverhältnisses. Schätzungen gehen hier davon aus, dass von den betroffenen Kindern ca. 35 Prozent Mädchen sind.

Straßenkinder in Deutschland kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten. Ihre Beweggründe liegen meistens nicht in der materiellen Not im Elternhaus oder in Problemen in der Schule, sondern vielfach treiben Vernachlässigung, Beziehungs-
losigkeit, Misshandlungen und/oder Missbrauch die Kinder auf die Straße. Die meisten Straßenkinder stammen nicht aus den Großstädten, in denen sie sich aufhalten, sondern nutzen die dort herrschende Anonymität als Schutz vor Entdeckung.
Die Erwartungen der Straßenkinder in Deutschland an ihre Zukunft unterscheiden sich kaum von denen anderer Kinder hinsichtlich des Wunsches nach Geborgenheit und der Hoffnung auf eine spätere Arbeit und eine eigene Wohnung.

Dementsprechend hoch ist auch der Anspruch an die Kinder- und Jugendhilfe, wirksam zu helfen. Zum einen muss sie attraktive Alternativen zum Leben auf der Straße anbieten und sich zum anderen an der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen orientieren, das bedeutet in erster Linie niedrigschwellige Angebote bereit zu stellen. Es ist wichtig, dass die Hilfe auf Bedürfnisse der Jugendlichen eingeht, das heißt Unterstützung in Alltagssituationen bietet, über deren Bedarf und Umfang sie selbst mitentscheiden können.

Um Straßenkinder zu erreichen muss die Arbeit zunächst in Form von aufsuchen der Jugendsozialarbeit unmittelbar im Lebensumfeld stattfi nden. Ziele sind dabei, Orientierung zu bieten und neue Perspektiven zu entwickeln. Sie darf aber nicht bei kurzfristigen Angeboten stehen bleiben, wenn die Verfestigung von Straßenkarrieren aufgehalten werden soll. Durch aufsuchende und niedrigschwellige Angebote kann in der Folge der Übergang in fl exible Unterbringungsangebote wie betreute Wohngemeinschaften oder andere stationäre Hilfen geschafft werden. Um erfolgreich zu sein, darf die Hilfe keinesfalls mit Erreichen der Volljährigkeitsgrenze auslaufen, sondern es müssen auch die jungen Erwachsenen mit sinnvollen pädagogischen Konzepten bei ihrem Bemühen um eine sinnvolle Lebensperspektive unterstützt werden.


<< Zurück zur Übersicht


 
Copyright © 2009 Deutsches Kinderhilfswerk e.V. Alle Rechte vorbehalten.

Impressum | Kontakt