12. Frühe Förderung stärken Der frühkindlichen bzw. vorschulischen Bildung kommt eine besondere Bedeutung zu, da die Lern- und Aufnahmefähigkeit von Kindern im vorschulischen Alter besonders hoch ist. Kinder dieses Alters wollen lernen, ausprobieren und experimentieren, sind von sich aus neugierig und wissbegierig. Nie wieder lernen Menschen so viel und mit so großem Spaß wie in den ersten Lebensjahren. Dabei kann eine gute Bildung schon für kleine Kinder die Chancengleichheit in unserer Gesellschaft befördern und herkunftsbedingte und soziale Unterschiede am besten ausgleichen.
Grundsätzlich ist festzustellen, dass die Bundesrepublik Deutschland zu wenig im Bereich der frühkindlichen bzw. vorschulischen Bildung investiert. Statt der von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) geforderten Mindestinvestition von 1 % des Bruttoinlandsproduktes wird in diesem Bereich bei sinkender Tendenz lediglich 0,66 % investiert. Das wirkt sich auch auf den Personalschlüssel aus, der oftmals unzureichend ist. Dabei sind im Bereich der Kinderkrippen für eine Gruppe von acht Kindern drei bis vier Fachkräfte angemessen. Generell gibt es auf EU-Ebene bereits Richtzahlen für die Gruppengröße: eine Erzieherin/ein Erzieher für fünf Kinder soll bis 2010 EU-weit die Regel sein. In vielen europäischen Ländern kommt heutzutage eine akademisch ausgebildete Fachkraft auf acht Kinder. Aber auch davon sind die Kindertageseinrichtungen in Deutschland noch weit entfernt.
In den Kindertageseinrichtungen muss es zu einer deutlichen Verbesserung der Qualifizierung des Personals kommen. Neben der Vermittlung von fachpraktischen Kernkompetenzen müssen die Diagnosefähigkeiten des Personals besser als bisher ausgebildet werden, um zum einen die vorhandenen Defizite der Kinder, zum anderen aber auch und vor allem ihre Fähigkeiten zu erkennen und diese zu fördern.
Wesentlicher Bestandteil der vorschulischen Bildung in Kindertageseinrichtungen muss auch die altersgerechte Beteiligung der Kinder sein. Bereits hier können Kinder demokratisches Denken und Handeln erfahren und einüben. Dazu müssen sie regelmäßig in die Entscheidungen der Kindertageseinrichtung einbezogen werden. Es ist wichtig, sie in ihrem Wunsch nach Selbstständigkeit und Verantwortungs-übernahme zu unterstützen. Je mehr Kindern diese Beteiligungsrechte zugestanden werden und sie darin unterstützt werden, diese auch wahrzunehmen, desto eher sind sie bereit, sich später auch für andere einzusetzen.