11. Mehr Raum und Zeit für Kinderspiel schaffen Im Spiel mit Anderen lernen Kinder sich kompetent zu bewegen, sie lernen soziale
Kontakte zu knüpfen, sich in größeren Gruppen zu verhalten, sich durchzusetzen
und Regeln einzuhalten. Beim Spiel im Wohnumfeld lernen sie selbstständig zu
sein, sich und ihre Umwelt zu organisieren. In vielen Bundesländern hat deshalb
das Spiel der Kinder im Rahmen der frühkindlichen Bildung Eingang in Bildungspläne
und Bildungsprogramme gefunden.
Bei den meisten Kindern rangiert der Wunsch, sich mit Freunden zu treffen und
draußen zu spielen, deutlich vor Fernsehschauen und allen anderen Freizeitbeschäftigungen. Noch heute antworten auf Befragung 3 von 4 Kindern, dass sie lieber
draußen als drinnen spielen, aber nur unter 50% können das mehr als einmal pro
Woche umsetzen. Dieser Widerspruch erklärt sich durch die veränderte räumliche
Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen in den letzten Jahrzehnten. Im Zuge moderner
Stadtentwicklung ist für Kinder das selbstständige Erkunden der häuslichen
Umgebung oder ein gefahrloses Spielen auf Straßen, Gehwegen und Plätzen immer
schwieriger geworden. Kinder und Jugendliche werden
in zunehmendem Maße aus dem öffentlichen Raum verdrängt. Ihre Bewegungsfreiheit wird, im wahrsten
Sinne des Wortes, eingeschränkt. Ihnen werden
die Möglichkeiten genommen, im
unmittelbaren Wohn- und Lebensumfeld,
Spiel- und Lebenserfahrungen zu sammeln.
Die fehlenden Frei- und Spielräume verringern ihre körperlichen, kognitiven und emotionalen Entwicklungsmöglichkeiten.
In Folge dieser Einschränkungen entwickeln sich auch Problempotenziale bei Kindern
und Jugendlichen. Auf den weniger werdenden Frei- und Spielflächen kommt es zu Konkurrenzsituationen zwischen Kindern bzw. Jugendlichen. Streit und Verdrängung sind die Folge. Anwohnende beschweren sich über lärmende Kinder und
Jugendliche vor ihrer Haustür. Im Wohnumfeld wird eine Zunahme von Vandalismus registriert.
Zudem ist der Tagesablauf von Kindern in Deutschland immer mehr durchorganisiert, der Lernort Straße und Natur wird im Zeichen der Ganztagsschule von pädagogisch beaufsichtigten Lernorten abgelöst. Ohne die Notwendigkeit erweiterter
Bildungsaufgaben in Frage zu stellen, müssen wir uns fragen, was macht das mit unseren Kindern, wenn sie keine Frösche mehr jagen, keine Mutproben mehr machen,
keine Verstecke mehr finden oder keinen Streit mehr alleine ausfechten können.
Kindern geht durch die vielen Reglementierungen, denen sie ausgesetzt sind, ein
wichtiges Stück ihrer Kindheit verloren. Deshalb muss Kindern wieder mehr Raum
und Zeit zum Kinderspiel eingeräumt werden.