20 Forderungen für Kinder in Deutschland

2. Kinderarmut in Deutschland überwinden!
Keine andere gesellschaftliche Altersgruppe ist so stark von Armut betroffen wie Kinder und Ju gendliche. Nach neuesten Berechnungen des Deutschen Kinderhilfswerkes sind ca. drei Millio nen Kinder und Jugendliche in Deutschland von Armut betroffen. Gerade die Tatsache, dass der konjunkturelle Aufschwung der letzten Jahre nicht zu einer Abnahme der Kinderarmut beigetra gen hat, macht deutlich, dass wir ein strukturelles Problem haben, dem Politik und Gesellschaft mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln und Kompetenzen entgegentreten müssen.

Mit jedem Monat Untätigkeit werden armen Kindern weitere Bildungs- und Entwicklungschancen geraubt – und damit auch ein Stück Zukunft für sie und unsere Gesellschaft. Das Deutsche Kin derhilfswerk fordert deshalb ein Nationales Programm zur Bekämpfung der Kinderarmut in Deutschland und einen eigenständigen Bericht der Bundesregierung zur Kinderarmut. Die Bun desregierung soll dazu gemeinsam mit Ländern und Kommunen ein umfangreiches Maßnah menpaket mit konkreten Zielvorgaben vorlegen, mit dem der Kinderarmut wirkungsvoll begegnet werden kann.

Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert eine Kindergrundsicherung, die den allgemeinen und indi viduellen Bedarfen von Kindern Rechnung tragen muss und den bestmöglichen Zugang zu Bil dung, Freizeit und gesunder Ernährung beinhaltet. Neben monetären Aspekten sind für die Überwindung von Kinderarmut noch eine Reihe weiterer Maßnahmen notwendig. Deshalb fordert das Deutsche Kinderhilfswerk die Schaffung gezielter Mitbestimmungs- und Mitwirkungschan cen von benachteiligten Kindern und Jugendlichen sowie qualifizierte Begleitung bei ihrer Mit wirkung in Kommune, Schule und Kita durch interkulturelle, integrativ-pädagogische bzw. nie derschwellige Beteiligungsangebote. Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert verstärkte Anstrengungen, die Chancenungleichheit im deutschen Schulsystem zu bekämpfen. Dazu ist ein nach oben durch lässiges Schulsystem, ein längeres gemeinsames Lernen aller Schüler/innen, individuelle Förderprogramme für benachtei ligte Schüler/innen, der flächendeckende Ausbau der Ganztagsschule und Lernmittelfreiheit anzustreben.

Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert die vollständige staatliche Ausfinanzierung von Betreuungsangeboten vom vollendeten ersten Lebensjahr bis zum Schuleintritt und eine Anpassung der personellen Ausstattung in Einrichtungen der frühkindlichen Bildung an die EU-Richtlinien. Ferner sind Qualifizierungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Mitarbeiter/innen sowie ein verbindliches Bildungsprogramm bis zum zehnten Lebensjahr zu entwickeln, die auch die Ressourcen und Beteiligungsmöglichkeiten der Kinder in den Mittelpunkt stellen.

Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert die gezielte Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund über ein Bildungsprogramm, das um interkulturelle Inhalte ergänzt wird und eine gezielte Sprachförderung sicherstellt. Weiterhin ist die Verbesserung der gesundheitlichen Beratung und Versorgung von Familien mit Migrationshintergrund durch eine verstärkte Öffnung und Erweiterung der bestehenden Gesundheitsdienste voran zu treiben.

Außerdem fordert das Deutsche Kinderhilfswerk die gezielte Bewegungsförderung und die gesunde Ernährung als Schwerpunktthemen in Kita und Schule, insbesondere in Brennpunktgebieten, sowie kostengünstige Zugänge zu Freizeit- und Ferienangeboten.


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